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Damals war’s – Bonsai News Nr. 3

aktualisiert 09.01.2009 | erstellt am 19.12.2008 | von

Wir sind tief ins Archiv gestiegen, haben in alten Ausgaben geblättert und diesen Artikel in einer alten Bonsai News gefunden. Viel Spass beim Lesen!

Dax, Monkey und TÜV

von Georg Clemm
Ehrenmitglied der HONDA Dax & Monkey IG

Dax und Monkey fahren macht Spaß. Der Spaß läßt sich noch steigern, wenn der Motor getunt und das Fahrzeug individuell umgebaut wird. Ein verständlicher Wunsch, beträgt doch die erreichbare Höchstgeschwindigkeit bei unseren Lieblingen im Regelfall 40 oder 50 Stundenkilometer. Mit einem 70er Satz sind es schon bis etwa 80 km/h, mit richtigen Rennmotoren bis 120 km/h auf ebener Strecke.

Nicht jedem Mokickfahrer ist bewußt, daß er im Falle einer Polizeikontrolle oder gar nach einem Unfall in Teufels Küche kommen kann, wenn eine sogenannte Bauartveränderung festgestellt wird, die nicht von TÜV und Zulassungsstelle abgesegnet ist. Man riskiert dabei z.B. den Haftpflichtversicherungsschutz im Falle eines Unfalls. Auf jeden Fall kann die Versicherung beim Fahrer oder Halter des umgebauten Fahrzeuges für erbrachte Leistungen Regreß nehmen. Weiterhin ist der Führerschein (auch der fürs Auto) in Gefahr. Hat man noch keinen Führerschein und will einen machen, kann eine Führerscheinsperre verhängt werden. Vor Ablauf dieser Sperrfrist kann man dann keine Fahrerlaubnis erwerben. Zu guter Letzt kann das tatgegenständige Fahrzeug eingezogen werden, weil das Fahren ohne Fahrerlaubnis, ohne Zulassung und ohne Versicherungsschutz ein ernstzunehmendes Delikt ist. Außerdem sammelt man fleißig Punkte in Flensburg mit solchem Verhalten und muß eine saftige Strafe bezahlen. Ein Gerichtsverfahren ist die Regel.

Vielen stellt sich daher über kurz oder lang die Frage, ob man die Dax oder Monkey nicht doch besser legalisieren, d.h. vom TÜV abnehmen lassen soll. Natürlich kann man einfach zum nächsten TÜV fahren und dort sein Glück versuchen. Möglicherweise klappt es, wahrscheinlich jedoch nicht. Zu vielfältig sind die Anforderungen, die der Prüfer erfüllt haben will, um dem umgebauten Fahrzeug die Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften zu bescheinigen. Die beliebteste Frage ist dabei die nach einer sogenannten Herstellerfreigabe. Dieser Zettel, den man natürlich nirgendwo herbekommt, weil die Fa. HONDA die individuellen Umbauten weder kennt noch verantworten will, macht dem Prüfer die Arbeit (und Verantwortung) leicht. Weil es also keine Herstellerfreigabe für getunte Fahrzeuge gibt, müssen die Daten für den Fahrzeugbrief oder die Betriebserlaubnis in jedem Einzelfall ermittelt werden. Darüber hinaus muß festgestellt werden, ob das umgebaute Fahrzeug weiterhin als betriebssicher angesehen werden kann, d.h. nach den Regeln des Maschinenbaus solide konstruiert ist.

Der Nachweis für solche Fragen ist oftmals nicht oder nur schwer zu erbringen. Woher soll z.B. ein TÜV-Ingenieur wissen, ob das Material eines Zubehörstoßdämpfers oder einer Alufelge ausreichende Dauerfestigkeit besitzt? Beantwortet werden offene Fragen durch aufwendige Tests. Deren Kosten im Einzelfall jeden Geldbeutel sprengen. So kostet z.B. ein Rahmendauerfestigkeitsgutachten um die 10 bis 20.000,- DM. Beschränkt sich der TÜV-Prüfer darauf, nur die neuen technischen Daten zu ermitteln, bedarf es im Regelfall einer Leistungsmessung, einer Geräusch- und Geschwindigkeitsmessung und eines Fahrversuchs. Auch Bremsenheißfahrtests sind sehr beliebt. All dies führt der interessierte TÜV-Mensch sicher gerne durch – die Stunde für ca. 160,- DM.

Ist ihm danach die Dax oder die Monkey zu wackelig, zu laut oder zu schnell, geht es von vorne los. Dem Verfasser wurde einmal die Zulassung für eine 1982er Z50R verweigert, weil auf dem Kettenschutz ein Aufkleber pappte, demzufolge das zulässige Gesamtgewicht 118 kg betrug. Das Fahrzeug wog vor dem Umbau (Licht, Tacho) etwa 50 kg, der deutsche Einheitsfahrer wiegt 75 kg, zusammen also 125 kg, 7 kg zuviel. Daß die gleiche Monkey mit ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) 158 kg wiegen darf, war dem Prüfer egal. Er argumentierte, schließlich könne ja bei der Crossversion der Rahmen dünner sein.

Es geht aber auch anders. Auch beim TÜV findet man nach möglicherweise langer Suche einen sachverständigen und der Tunerei aufgeschlossenen Prüfer. Sachverständig ist sehr wichtig, denn viele Prüfer haben einfach keine Ahnung von ihrem Fachgebiet und behaupten dann, das gehe eben nicht. Auch hat nicht jeder Sachverständige die gleichen Befugnisse. Manche dürfen z.B. keine Neufahrzeuge abnehmen. Bei Fahrzeugen nach Baujahr 1988 ist zusätzlich zu der angesprochenen Datenermittlung noch ein Abgasgutachten erforderlich. Wieder eine gute Gelegenheit, sein Geld, in diesem Fall um die 2.000,- DM, los zu werden.

Wird ein anderer Auspuff oder ein anderer Vergaser verwendet, oder weichen Getriebeübersetzung oder Fahrzeugmaße um mehr als 7 % ab, ist ein neuer Test fällig. Fast alle Veränderungen am Fahrzeug sind eintragungspflichtig, daher hier eine Auflistung: Vergaser, Luftfilter, Auspuff, Federbeine, Chrom- oder Alufelgen, verchromte Fahrzeugteile (Rahmen, Schwinge!), Scheinwerfer, Blinker, Rückleuchten, Lenker, Hubraum, Nockenwelle, Getriebeübersetzung, Bremsanlage, Reifen anderer Größe, Schwinge, Gabel usw…

Dem Verfasser sind schon folgende Highlights gelungen: Z50Jz Vollchrom (nachträglich verchromt) mit Motorradzulassung, Leistung in Z50J, Dax und ZB bis 104 ccm/8 kW/11 PS, dicke Reifen bis 120/90-10, eingetragene Höchstgeschwindigkeit bis 90 km/h. Seit September 1997 liegen auch für getunte Neufahrzeuge Abgasgutachten vor. 86 ccm und 97 ccm mit 4-Ganggetriebe sind seither eintragungsfähig. Eine Zulassung als Motorrad mit Leistungsbeschränkung ist seit Frühjahr 1996 durch eine Änderung der Zulassungsordnung nicht mehr möglich, weder für Alt- noch für Neufahrzeuge. Seither gibt es Leichtkrafträder bis 80 km/h und solche über 80 km/h.

Leichtkrafträder bis 80 km/h darf man ab 16 Jahren mit Führerschein 1b fahren, die Versicherung ist sehr teuer. Beträgt die Höchstgeschwindigkeit mehr als 80 km/h, muß man mindestens 18 Jahre alt sein, die Versicherung wird dafür günstig, sie kostet etwa 120,- DM pro Jahr bei 100 %. Z.B. muß eine 70er Dax, bei der der Fahrzeugbrief wegen Stillegungsdauer von mehr als 1 Jahr verfallen ist, frisiert werden, damit die Versicherung wieder bezahlbar wird. Die original eingetragene Höchstgeschwindigkeit beträgt leider nur 75 km/h. Ein besonderes Gimmick stellt das kleine Kennzeichen dar. Man braucht dafür einen Eintrag vom TÜV und eine Ausnahmegenehmigung vom Regierungspräsidium. Beides ist meistens erst nach erheblichem Kampf gegen die Bürokratie möglich, gibt aber dem getunten Fahrzeug den letzten Kick. Oder fahren Sie gerne mit einem Kuchenblech herum?

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